Unsere BegleiterInnen

Mein Weg in der Hospizarbeit: Von der Ausbildung bis heute:

Die Hospizarbeit hatte ich schon eine Weile in der Presse verfolgt und Bücher zum Thema Sterben gelesen, Klassiker wie Borasio, Kübler-Ross, aber auch Modernes wie John Green oder Christoph Schlingensief, die mich alle sehr beeindruckt haben. Es ist sicher kein Zufall, dass ich mich 2003, in dem Jahr, bevor ich 50 wurde, zusammen mit meinem Mann zum Hospizkurs in Villingen angemeldet habe. Nach einem lebhaften und lustigen Familienleben mit vier Kindern, die alle nach und nach auszogen und eigene Familien gründeten, und allem möglichen Getier, was meistens bei uns blieb, fanden wir es einfach an der Zeit, uns nach einer intensiven Zeit mit dem großen Thema Leben und seinem Anfang auch mit dem zweiten großen Thema, dem Tod, zu beschäftigen.

Am Anfang des Ausbildungskurses stand ein intensives Wochenende, an dem wir Kursteilnehmer*innen unsere Kursleiterinnen, Marilies Schmied und Antonia Berberich, sowie unsere Koordinatorin Karin Schleicher kennen lernten. Die Leiterin dieses Einstiegswochenendes, Christel Friedrich, brachte uns durch intensive Gespräche und tiefgehende Selbsterfahrung das Thema Tod in unmittelbare Nähe.

In den folgenden Kurswochen lernten wir viele Aspekte der Hospizarbeit kennen. Menschen mit viel Praxiserfahrung waren unsere Dozent*innen, standen für Fragen zur Verfügung, erzählten von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen, und auch der Austausch unter uns Kursteilnehmer*innen wurde immer vertrauensvoller und wichtiger.

Am Ende des Ausbildungskurses stand für alle Kursteilnehmer*innen die Frage, ob wir als Begleiter*innen aktiv dabei sein wollten. Für mich stand fest, ich möchte das gerne, mein Mann entschied sich dagegen. Also folgte für mich im Frühjahr 2004 ein zweiwöchiges Praktikum in einem Villinger Altenheim. Viele Eindrücke gab es da zu verarbeiten, von liebevollen Begegnungen mit alten Bewohner*innen bis hin zu Streit zwischen ihnen, der ganz offensiv mit Gehstöcken ausgetragen wurde, von hellwachen Menschen zu Schwachen und Bettlägerigen, von Gesunden zu Kranken, von Lebensfrohen zu Müden. Doch bei allen, auch den schwierigen Erfahrungen war mir klar, ich kann und möchte weiter Hospizbegleiterin sein.

Mein erster Einsatz kam dann überraschend: ein Anruf an einem Sonntag Mittag, ein Einsatz in einem Altenheim in Bad Dürrheim, eine Sterbende begleiten, und obwohl ich kaum Zeit hatte, mich auf diesen Einsatz vorzubereiten und entsprechend aufgeregt war, war es in Ordnung. Die Sterbende war anfangs unruhig, wurde jedoch mit der Zeit immer ruhiger, die Pfleger*innen waren offen und froh über die Unterstützung, ich fühlte mich am richtigen Platz und war mir über meine Rolle – einfach da sein und begleiten – im Klaren.

Viele weitere Begleitungen schlossen sich an, teilweise bei den Menschen zu Hause, teilweise im Krankenhaus oder im Altenheim. Am meisten freute ich mich über Begleitungen mit Menschen, die sich öffneten, die über ihr Leben sprachen und über ihre Gedanken am Ende des Lebens. Aber auch Begleitungen mit wenig Kommunikation hatten ihren eigenen Charakter. Die Stille und die Nähe zu den begleiteten Menschen waren oft wohltuend und voll Frieden.

Zu schaffen machten mir Begleitungen, in denen Schmerzen und Leid im Vordergrund standen, da litten auch die Angehörigen sehr mit. Dank der Palliativversorgung, sei es ambulant oder stationär, konnte den Sterbenden zum Glück oft geholfen und ihre Situation erleichtert werden. Beeindruckend waren die Begegnungen mit Sterbenden, die ihrem Lebensende gelassen und voller Zuversicht entgegen sehen konnten. Schön war es, wenn sich zwischen mir als Begleiterin und den Begleiteten ein offenes und gleichberechtigtes Miteinander ergab. Es ist für mich immer wieder ein Gefühl, als würde ich an einem Leben teilhaben dürfen, das sich wie ein neues, spannendes und noch unbekanntes Buch vor mir öffnet.

Sehr hilfreich für mich als Begleiterin empfinde ich die Möglichkeit, jederzeit bei den Koordinatorinnen Jutta und Karin ein offenes Ohr für meine Fragen zu finden und ihre Unterstützung zu erhalten. So ist es mir auch wichtig, in der Supervision offen im geschützten Rahmen ansprechen zu können, was ich während der Begleitungen erlebe und womit ich mich, oft auch lange danach, noch beschäftige.

An das Ende meines Berichts, der doch länger als gedacht wurde, möchte ich das „Schlussstück“ von Rainer Maria Rilke stellen, das in meinen Augen wunderbar beschreibt, wie das Leben und der Tod zueinander gehören.

Der Tod ist groß,
wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen,
mitten in uns.

 

Manuela Lübben-Konstantinoff

 

 

Warum begleiten wir?

Margarete Kugler-Paschke: Es kommt immer wieder vor, wenn Leute mitbekommen, dass ich aktiv bei der Hospizbewegung tätig bin heißt es oft: "Du, das finde ich toll, dass Du das machst, aber ich könnte das nicht!" Es stellt sich mir dann die Frage: warum eigentlich nicht? Ist es eine gewisse Scheu, sich mit dem (noch) Tabuthema Sterben und Tod auseinander zu setzen oder verdrängt man die Gedanken an die eigene Endlichkeit? Wenn ich am Bett eines Schwerstkranken oder Sterbenden sitze, ist es für mich wichtig, einen ersten Kontakt her zu stellen. In den meisten Fällen findet dieser nonverbal statt. Sei es durch Augenkontakt und/oder kleinen Berührungen. Ist die zu begleitende Person alleine, will ich ihr vermitteln, dass sie nicht alleine ist und ich Zeit habe. Zu Beginn meiner Begleitungen war es für mich etwas schwierig die Stille auszuhalten. Mittlerweile ist dies überhaupt kein Problem mehr. Im Gegenteil. Die Stille hat etwas beruhigendes, fast mystisches. Wenn ich die Gelegenheit habe mit den Angehörigen zu reden, erfahre ich viel aus dem oft bewegten Leben der betroffenen Person. Die Angehörigen sind dankbar, dass ich da bin, ihnen einfach nur zuhöre und ihnen die Gelegenheit gebe etwas zu "verschnaufen". Sei es z.B. eine Pause zu machen, etwas zu besorgen oder einen Spaziergang zu machen. Denn sie haben die Gewissheit, dass jemand da ist und sie problemlos für eine Weile das Zimmer verlassen können.

Ich "opfere" nicht meine Zeit. Ich bringe mich ein und bekomme viel zurück. Ein Lächeln, ein  dankbarer Blick, ein Händedruck der leicht erwidert wird, Angehörige, die mich einfach in den Arm nehmen und, und.

Dies ist nur ein kurzer Abriss von dem was ich als Begleiterin mache und erfahre.

Fazit: Ehrenamtliche Hospizarbeit lohnt sich. Machen Sie mit!

Jutta Schlimpert: Ehrenamtliches Engagement ist für mich ein wichtiger Teil meines Lebens. Über eine Freundin, die schon länger als Hospizbegleiterin tätig ist und begeistert davon erzählte, bin ich auf diesen Aufgabenbereich aufmerksam geworden. Schon in der Ausbildung habe ich einen guten Einblick in die vielfältigen Bereiche bekommen und auch wertvolle Erfahrungen für mich persönlich machen können. Im praktischen Teil der Ausbildung im Hospiz und Pflegeheim wurde mir klar, wie wichtig diese Arbeit ist und wie viel ich für mein eigenes Leben lerne. Die Einsätze im privaten Umfeld vor Ort und im Pflegeheim sind ganz unterschiedlich. Ich weiß nie genau, was mich bei meinem Besuch gerade erwartet und wie ich die begleitete Person antreffen werde. Oft genügt es einfach da zu sein, die Hand zu halten, zu erspüren, was meinem Gegenüber gut tut. Ein Gespräch ist oft nicht möglich. Meist bekomme ich einen liebevollen Blick zurück oder meine Berührung wird dankbar erwidert. Auch die Unterstützung oder ein Gespräch mit den Angehörigen kann wichtig sein. So gehe ich immer beschenkt nach Hause und weiß, dass die dort verbrachte Zeit sinnvoll und wertvoll war - für die besuchte Person, aber auch für mich.

Bernhard Weißhaar: Ich engagiere mich in der Hospizbewegung, weil durch uns Ehrenamtliche ermöglicht wird, dass mehr Menschen begleitet (und nicht alleine!) das Lebensende begehen können.

Auch die Entlastung von Angehörigen gehört zu unserer Aufgabe, da diese in diesen schweren Zeiten oft überlastet sind. Freiraum schaffen und einfach da sein und zuhören kann sehr hilfreich und tröstlich sein. 

Ich bin Hospizbegleiter, weil ich aus meiner persönlichen Entwicklung heraus die Kraft und den Mut dazu habe. Gerne schenke ich dazu das Wertvollste was ich habe.. meine Zeit! Das Sterben gehört zum Leben und macht unser Leben erst wertvoll. Dies anzunehmen und meinen Sinn zu finden ist mein Antrieb. Hospizarbeit heißt für mich, immer wieder Dankbarkeit und (Mit-)Menschlichkeit zu geben und zu erhalten.

Aus unserem bunten Team an qualifizierten ehrenamtlichen Begleiterinnen
und Begleitern wählen wir für die passende Person aus.

Was uns bewegt

Wir begleiten Menschen,
weil wir mittragen möchten, was uns allen so schwer geworden ist
 

Ich begleite Menschen,
weil ich ihnen beistehen will, sie nicht alleine lassen möchte


Ich begleite Menschen,
weil ich ihnen in der schwersten Zeit ihres Lebens beistehen möchte


Ich begleite Menschen,
weil ich meinen Glauben leben und meinen Nächsten beistehen möchte


Wir begleiten Menschen,
weil wir sie mit ihren Ängsten und Nöten nicht alleine lassen wollen